Wenn im Sommer die Hauptreisezeit beginnt, sind wieder jede Menge Menschen unterwegs. In manchen Regionen gewinnt man fast den Eindruck, die Einheimischen und selbst jene, die vom Tourismus leben, hätten es am liebsten, würden die Reisenden einfach zuhause bleiben. Und stattdessen einfach Geld überweisen.
Bis zu einem gewissen Grad ist das ja auch verständlich. Denn obwohl sich die meisten Reisenden gut benehmen, gibt es noch die andere Sorte. Jene, die gehasste Touristen sind, weil sie sich – absichtlich oder unabsichtlich – mit dem Kopf voran in Fettnäpfchen stürzen. The Chill Report hat sich bei Einheimischen umgehört und gefragt: Was macht Besuchende sofort unbeliebt?


Kulinarische Fehltritte
Jede Kultur ist auf seine kulinarischen Eigenheiten stolz. Es ist nicht gerade höflich, in einem Restaurant in Italien zu erklären, dass die Pizza im Dönerladen um die Ecke daheim eigentlich viel besser schmeckt. Brits freuen sich nicht, wenn man das Bier zurückgehen lässt, weil es zu warm ist. Menschen in den USA hassen es, wenn Gäste nach mehr Schaum verlangen. Ein weiteres Fettnäpfchen versteckt sich in Italien beim Kaffeebestellen. Cappuccino trinkt man hier nämlich ausschließlich am Vormittag. Natürlich kann man nicht alle Nationalgerichte kennen, man muss auch nicht alle lieben. Aber wer offen angewidert reagiert, wenn in Schottland Haggis serviert wird, muss sich nicht wundern, wenn sich die sonst so legendäre Highland Hospitality in Luft auflöst.


Gruppen vor Eingängen
Zuhause machen das die wenigsten Menschen. Doch kaum verlassen sie ihren Wohnort, bleiben sie an den ungünstigsten Orten stehen. Oft sogar in Gruppen. Zum Beispiel direkt vor dem U-Bahn-Aufgang, vor den Eingängen von Büros und Geschäftslokalen oder Garagenausfahrten. Wahrscheinlich, weil man in fremden Städten ganz einfach öfter stehen bleibt, um sich erst einmal zu orientieren. Kann man ja, aber bitte dort, wo Einheimische, die nicht alle Zeit der Welt haben, nicht behindert werden.
Die Sache mit der Sprache
Unsere Umfrage zeigt: Einheimische hassen es, wenn Besuchende davon ausgehen, sie würden automatisch verstehen, was diese sagen, wenn sie es nur langsam und laut in Endlosschleife wiederholen. Sich über Akzente oder fehlende Deutsch-, bzw. Englischkenntnisse lustig zu machen, ist einfach nur armselig. Schließlich können wir ja auch nicht Mandarin-Chinesisch. Und das ist mit 1 Milliarde Muttersprachlern die am häufigsten gesprochene Erstsprache der Welt.


Mini-Imperialismus
“Bei uns ist es aber sauberer”, “Kein Wunder, dass es mit deren Wirtschaft bergab geht, wenn sie mittags einfach die Geschäfte zusperren” und “Sie sind arm, aber so glücklich” sind Stehsätze, die man von einer bestimmten Sorte gehasster Touristen häufig hört. Es sind die Mini-Imperialisten, die mit fehlendem Respekt und mit Hochmut durch die Welt gehen. Wer nicht in den Schuhen der Einheimischen steckt, sollte mit Urteilen vorsichtig sein.


Gehasste Touristen: Fordernd
Als Tourist ist man auf Besuch und willkommen, solange man sich ordentlich benimmt. Man ist kein Royal. Man genießt keine besonderen Vorrechte. Und hat diese auch nicht einzufordern. Respekt den Einheimischen und ihrer Kultur gegenüber sind ein absolutes Muss und sollten für Reisende selbstverständlich sein. Zu Respekt gehört übrigens auch dazu, die besuchten Orte nicht einfach nur abzuhaken und zur Kulisse für den eigenen Instagram-Feed zu degradieren.