Bereits seit dem Jahr 2004 verwandelt sich der Schlossgraben des Schloss Lamberg in Steyr in den Sommermonaten in ein magisches Open-Air-Theater. Heuer hält das US-amerikanische Rockmusical „Hair“ im Rahmen des Musikfestivals Steyr Einzug in der drittgrößten Stadt Oberösterreichs. Wir waren dabei und durften das Flair dieser einzigartigen Location genießen.
Die Geschichte hinter dem Musical
Das Musical “Hair” findet seinen Ursprung im Jahre 1967 in New York. Die beiden jungen Schauspieler Gerome Ragni und James Rado, die für das Buch und die Liedtexte verantwortlich zeichnen, erschaffen gemeinsam mit der Musik von Galt MacDermot einen Meilenstein in der Geschichte der Popkultur. Für die damalige Zeit etwas unüblich, wagte man es erstmals, Rock- bzw. Popmusik mit der Theaterbühne zu verbinden. Das tägliche Leben war geprägt von Unruhen aufgrund des Vietnamkrieges, Armut, Rassismus sowie den Ängsten und Protesten der Jugend.


Die Macher des Musicals waren Teil der Szene in New York und verarbeiteten ihre Erlebnisse anhand des Musiktheaters. Den Charakteren der beiden Hauptfiguren „Claude“ und „Berger“ zugrunde liegen die Persönlichkeiten der beiden Künstler. Bevor das Musical 1968 an den Broadway kam, verkörperten Ragni und Rado sogar selbst die beiden Hauptrollen.
HAIR wird zum Publikumsliebling
Nach anfänglichen Skandalen aufgrund der völlig neuen Interpretation des Musiktheaters und Versuchen der USA, das Musical zu verbieten, erfreut es sich immer größerer Beliebtheit und wurde schon bald in vielen anderen Ländern auf die Bühne gebracht. Das Stück zeichnet sich durch seine nicht unbedingt klare, durchgängige Handlung aus. Vielmehr geht es darum, den Zeitgeist der damaligen Gesellschaft und der Hippiebewegung durch die verschiedenen Charaktere und deren Geschichte zu vermitteln.
HAIR beim Musikfestival in Steyr
Die Inszenierung des Musicals durch Regisseurin Susanne Sommer schafft die historischen Ereignisse respektvoll zu behandeln ohne sie zu sehr zu modernisieren. Nur an manchen Dialogen wird der Bezug zur Gegenwart auf eine angenehme Weise hergestellt. Die Kostüme (Liliana Schaber) sind original gehalten und verliehen somit dem Hippie-Flair nochmal speziellen Ausdruck.


Besonders hervorzuheben sind die gesanglichen und schauspielerischen Darbietungen der Solisten. James Park (“Berger”) und Christian Funk (“Claude”) entführen einen förmlich in die damalige Zeit und machen den vorherrschenden Zeitgeist hautnah erlebbar. Regelrecht spürbar war während der gesamten Vorstellung die Harmonie des 19-köpfigen professionellen Cast sowohl in den Dialogen, aber vor allem in der Stimmgewalt der Ensembleszenen. Vor allem die bekannten Melodien wie „Aquarius“ und „Let the Sunshine In“ bescherten uns so manchen Gänsehautmoment.
Rundum gelungenes Erlebnis
Bei Ankunft im Schlosspark, dem „Foyer“ der Location, werden wir bei Stehtischen, Liegestühlen und anderen gemütlichen Sitzgelegenheiten bereits auf unser Abendprogramm eingestimmt. Auch einen ersten Blick auf die Merchandise-Produkte können wir im Park schon werfen. Der Beginn ist mit 20:30 Uhr angesetzt, also Zeit genug, um hier einen Aperitif oder Snack zu genießen.


Um 19:30 Uhr machen wir uns auf den Weg in den Schlossgraben. Die einzigartige Kulisse zieht uns sofort in ihren Bann und wir können es kaum erwarten, die Stimmung während des Musicals und mit anbrechender Dunkelheit zu genießen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, unseren zugewiesenen Tisch zu finden, ist umgehend das Personal zur Stelle und unterstützt uns freundlich bei der Suche.


Der Zuschauerraum besteht ausschließlich aus Tischen zu jeweils 4 bequemen Stühlen, was wir als besonderes gemütlich in diesem Ambiente empfinden. Durchaus begeistert sind wir von der Gästebewirtung vor und während der Vorstellung. Durch einen QR-Code auf dem Tisch wird entspannt die Bestellung aufgegeben, welche auch während der Vorstellung serviert wird.


Unser Fazit: Diese Bühnenfassung mit seinen zwei Stunden Spielzeit ohne Pause lässt die Zeit wie im Flug vergehen und ist heuer definitiv einen Besuch wert. Zu bestaunen ist “HAIR” im Schlossgraben von Schloss Lamberg in Steyr noch bis 08. August 2026.