Die Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter öffnete vor fast 15 Jahren erstmals seine Pforten. Der kleine Ort Leavesden bei Watford, etwa 32 Kilometer nordwestlich von London gelegen, schaffte so den Sprung auf die Radars internationaler Reisender. Seither hat sich viel getan, denn das Erlebnis entwickelte sich kontinuierlich weiter. Saisonale Specials, sogenannte. Features, sorgen dafür, dass auch Mehrfach-Besuchende immer wieder etwas Neues entdecken.
Fester Bestandteil jeden Herbst rund um Halloween ist das Harry Potter Dark Arts Feature. Dieses Jahr “erfreut” es mit gruseligen Todessern, die sich unter den Besuchenden tummeln. Außerdem gibt’s zahlreiche thematisch abgestimmte Speisen im Backlot Café und neue Stücke im Shop. Wie sehr es sich lohnt, mal wieder vorbeizuschauen, zeigte sich vor wenigen Tagen.
Herzklopfen schon vor dem Besuch
Mindestens einmal im Jahr steht ein romantischer Trip nach London an. Bis zuletzt unternahmen wir den in aller Regel in der Vorweihnachtszeit. London im Advent ist einfach eine Nummer. Mit zunehmender Festlichkeit kamen aber zunehmend Reisende, weshalb wir letztes Jahr, als der Gehsteig rund um Fortnum & Mason wegen der Besuchermassen abgesperrt werden musste, beschlossen, mal wieder London im Herbst eine Chance zu geben. Während unseres Aufenthalts Ende Oktober hatten wir also die seltene Gelegenheit, Halloween und Weihnachten in friedlicher Ko-Existenz zu erleben.


Aufregend machte die Sache auch die Gewissheit, dass der beste Mann von allen erstmals seinen Fuß in die Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter setzen würde. Für diesen Augenblick haben wir trainiert. Denn obwohl er alle Bände gelesen hatte, musste ich ihn doch vorab durch die Filme jagen, um ihm die Bedeutung dieser heiligen Hallen in ihrem ganzen Ausmaß näherzubringen. Denn die Harry Potter Studios, wie sie abgekürzt genannt werden, sind der Ort, an dem Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, zahlreiche weitere Talente und tausend Statisten täglich an der Verfilmung von J.K. Rowlings Meisterwerk arbeiteten.


Wer sich auf das Erlebnis einlässt, verschwindet für mehrere Stunden in der magischen Welt zwischen Sein und Schein, bewundert originale Schauplätze, erfährt viel Hintergrundwissen, wird hin und wieder entzaubert, entdeckt Staunen neu und wandelt auf den Spuren einer epischen Filmsaga. Blöd also, wenn man es so gar nicht fühlt. Als wir uns auf den Weg machen, habe ich Herzklopfen. Schließlich will ich nicht, dass der beste Mann von allen enttäuscht ist und am Ende des Besuchs Lebenszeit zurückfordert. Eine weitere Frage, die mich beschäftigt: Werde ich den zweiten Besuch innerhalb von wenigen Monaten noch spannend finden?
Wie kommt man von London zum Harry Potter Studio?
Die Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter, wie die Pilgerstätte aller Potterheads heißt, erreicht man aus Central London auf drei unterschiedlichen Wegen. Einerseits kann man ein Auto mieten und hinfahren, Parkplätze sind genügend vorhanden. Außerdem gibt es Pakete, die im Eintritt auch den Shuttle von wichtigen Punkten in der Stadt, etwa King’s Cross und Victoria inkludieren. Beide Optionen sind valide, wenn auch unserer Meinung nach nicht die besten. Denn die weit günstigere und zeitsparendere Alternative sind ganz einfach die öffentlichen Verkehrsmittel.


Zunächst begibt man sich zum Bahnhof Euston, von wo ungefähr acht Schnellzüge pro Stunde Richtung Watford Junction aufbrechen. Die Fahrt dauert gerade einmal 20 Minuten. Von Watford Juction geht’s dann direkt mit dem kostenlosen Studio-Shuttle bis zum Haupteingang der Harry Potter Studios. Wichtig ist, ein bisschen einen Zeitpuffer einzuplanen. Einerseits für die Umstiege, andererseits für die Taschenkontrollen am Eingang. Rund 20 Minuten vor der am Ticket angegebenen Zeit sollte man dort sein. Es wundert uns fast, wie smooth und problemlos sich An- und Abreise gestalten. Sieht man von drängelnden und lauten Landsleuten in Form zweier gemeinsam reisenden Großfamilien ab.
Mit Spannung erwartet
Als wir im ersten Raum der Experience, bei den sprechenden Portraits stehen, ist die Erwartung spürbar – nicht nur unsere, sondern auch die der anderen Besuchenden. Basisinformationen für den Besuch gibt’s dann auch noch im “Cinema”; die sind zwar kurz gehalten, aber ich kann es dennoch kaum erwarten, bis sich die Leinwand hebt und die Tür zur großen Halle öffnet, denn das ist der Moment, der mir immer wieder Gänsehaut bereitet. Das ist dieses Mal nicht anders, denn die Große Halle präsentiert sich ebenfalls im saisonalen Wechsel unterschiedlich geschmückt. Bei meinem letzten Besuch war sie in ein winterliches Outfit gehüllt. Jetzt schweben beleuchtete Kürbisse unter der Decke. Der Mann zückt sein Handy – und ich bin erleichtert.


Er ist mit vollem Herzen dabei, wir stempeln unseren Activity Pass ab, lauschen den Erklärungen auf den super gemachten Audio Guides (die auch Videomaterial inkludieren!), warten auf den Auftritt der Todesser, halten Ausschau nach dem dunklen Mal und machen einander auf Kleinigkeiten aufmerksam. Rund um uns ist viel los, was wenig verwundert. Schließlich sind Herbstferien und Sonntag ist auch. Die Dinge zu sehen, die man sehen will (alle!) und Fotos zu machen, ist problemlos möglich. Das ist das Resultat einer relativ strikten Policy rund um die Tickets: Die kann man nämlich nur vorab online buchen; so wird gewährleistet, dass es nie zu voll wird. Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass man vorab gut planen sollte. Auf Wiederverkaufende und Ticketbörsen sollte man sich auf keinen Fall verlassen.
Im eigenen Tempo
Wie schnell oder langsam man die riesige Studiofläche “erledigt”, bleibt jedem selbst überlassen. Stress ist nicht notwendig. Wir gönnen uns im Backlot Café etwa bei der Hälfte der Tour ein Mittagessen, bevor wir uns in den Außenbereich begeben. Der hilfreichen Staff ist es gedankt, dass wir unsere Mäntel nicht abgegeben haben. Vor dem Haus der Dursleys stehen wir nämlich tatsächlich einige Minuten und sind dem britischen Wetter ebenso auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, wie der Knightbus und die Hogwarts Fontäne.


Als wir uns auf den Heimweg begeben, sind wir mit Informationen gesättigt, aber auch bezaubert. Selbst den Mann hat es erwischt. Denn der sitzt neben mir im Bus zurück zur Watford Junction und bewundert sein Video, auf dem er die Zerstörung von Gringotts durch einen brüllenden ungarischen Hornschwanzdrachen festgehalten hat …