Das 2015 erbaute Resort am Nord Male Atoll wurde 2023 umfassend renoviert und erweitert. Unseren Recherche-Aufenthalt im Oblu Nature Helengeli by Sentido auf den Malediven im September 2026 haben wir in mancherlei Hinsicht mit gemischten Gefühlen erlebt. Hier unsere Oblu Nature Helengeli Erfahrungen ganz ungeschönt.
Location
Das Vierstern Superior Resort befindet sich am nordwestlichen Rand des Nord Male Atolls. Das bringt einige interessante Eigenschaften mit sich: Einerseits ist man hier gerade noch in Reichweite der Speedboat-Zubringer vom Flughafen in Male und spart sich so das empfindlich teure Wasserflugzeug, das oft für weiter entfernte Resorts notwendig ist. Zwar dauert der Transfer mit dem hoteleigenen Boot auch fast eine Stunde, allerdings ist man dann weit genug weg, um vom regen Flug- und Schiffsverkehr rund um die Hauptstadt nichts mehr mitzubekommen. Der kann nämlich bei Hotels und Resorts am südlichen Rand des Atolls das Urlaubsfeeling ziemlich trüben.
Aber auf Helengeli herrscht Malediven-Feeling wie es sein soll. Andererseits ist die Insel schon ziemlich exponiert, was den offenen Indischen Ozean betrifft. Die Ostseite des Eilands ist daher nur bedingt erlebbar, schwimmen und schnorcheln ist hier riskant bzw. untersagt. Die Westseite wiederum ist ein einmaliges Schnorchelparadies, jedoch ist auch hier auf die starke Strömung zu achten. Dazu später mehr.
Stil & Charakter
Das Oblu Nature Helengeli präsentiert sich dank der kompakten Abmessungen der Insel sehr übersichtlich, man ist auch ohne Buggy-Service oder die in anderen Resorts angebotenen Fahrräder im Nu dort, wo man hinmöchte. Etwas ungewöhnlich ist lediglich die Tatsache, dass der Ankunfts- und Abfahrtsbereich woanders liegt als die eigentliche Rezeption. Ansonsten ist die Anlage eigentlich nicht von einem Clubhotel im Mittelmeerraum zu unterscheiden, und das ist ein Kritikpunkt. Denn ausgenommen der beiden Spezial-Restaurants und dem Spa wirken die Strukturen von den Villas bis zum Hauptrestaurant ziemlich uninspiriert und zweckmäßig. Hier hätte man, vor allem bei der Renovierung vor drei Jahren, ruhig etwas mehr typischen Malediven-Stil einfließen lassen können. Auch punkto Barrierefreiheit gibt es fast überall noch deutliches Verbesserungspotenzial.


Das ist aber möglicherweise dem Kernpublikum geschuldet, denn bei einem Malediven-Resort mit grundsätzlichem All Inclusive-Plan zu einem vergleichsweisen schmalen Preis wie dem Helengeli zieht man klarerweise hauptsächlich typische Pauschaltouristen (mit Kindern) an. Jeglicher gestalterische Mehraufwand lohnt sich nicht. Auch in der Instandhaltung, teilweise zeigt das relativ neue Haus schon deutliche Abnützungserscheinungen. Punkto Sauberkeit und Funktionalität der Ausstattung gibt es aber nichts zu klagen, leise Klimaanlagen, guter Wasserdruck und selbstverständlich überall flottes WLAN sind hier einwandfrei.
Villas
Das Resort verfügt über 153 Villas in neun Kategorien. Für unseren Aufenthalt stand uns eine Deluxe Beach Villa zur Verfügung, die direkten Blick und Zugang zum Strand am westlichen Hausriff ermöglicht. Etwas tricky dabei ist die Tatsache, dass der Zugang zum Bungalow gleichzeitig auch der zu Terrasse und Strand ist – Vorsicht also, dass man sich nicht aussperrt, wenn man nur mal schnell vom Zimmer zum Liegestuhl möchte. Im Schlaf-/Wohnraum ist ausreichend Platz vorhanden, das abgetrennte Freiluft-Bad ist fast schon etwas zu üppig geraten – hier wäre es eventuell klug gewesen, die Fläche etwas besser aufzuteilen, z.B. mit separater Toilette. Das Bad ist, wie man es von anderen Malediven-Resorts kennt, von der Wohneinheit getrennt, da die Dusche Open Air angelegt ist, wobei: nicht ganz, nur links und rechts daneben kann man zum Himmel blicken. Ein bisschen geschummelt also.


Bei der Besichtigung der anderen Zimmerkategorien bis hin zur Overwater-Villa mit Pool bestätigt sich der anfängliche Gesamteindruck: alles sehr ordentlich, funktional und sauber, aber leider auch uninspiriert, teilweise ein wenig abgewohnt und stellenweise sogar etwas lieblos. Es ist zwar nicht wichtig, aber: gerade auf den Malediven ist es quasi Standard, dass beim Erstbezug und oft auch zwischendurch eine nette Botschaft aus Palmenblättern oder kunstvoll geformte Handtücher den Gast am Bett begrüßen. Gibt es hier nicht. Schade.


Essen & Trinken
Im Oblu Nature Helengeli ist All Inclusive das Standardpaket, und das ist auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man aufs Budget schauen muss oder mit hungrigen Kindern unterwegs ist. Schon viele Malediven-Urlauber mussten die Erfahrung machen, dass der vermeintliche Schnäppchen-Urlaub im Paradies bei abschließender Getränke-Abrechnung empfindlich teurer wurde als gedacht. Hier also sorglos: man kann nach Herzenslust essen und trinken, die Kinder können sich rund um die Uhr Eiscreme gönnen, und selbst pubertierende Buben werden sicher satt. Es ist morgens, mittags und abends im Restaurant immer genug da, zwischendurch auch an der Bar.


Natürlich darf man sich dabei aber keine kulinarischen Höhenflüge oder exquisite Weine und Spirituosen erwarten. Die jeweiligen Buffets sind in Ordnung, wenn auch mit einem für europäische Gaumen etwas zu hohem Anteil an indischer und asiatischer Küche, mehr aber nicht. Wobei die beiden Spezialitäten-Restaurants im Rahmen der pro Mahlzeit auswählbaren Optionen durchaus auf hohem Niveau kochen! Und selbstverständlich kann man an der Bar auch einen guten Single Malt statt Johnnie Walker Red Label oder eine Flasche Champagner statt glasweisen Prosecco ordern. Das kostet dann aber extra. Unterm Strich ist das All Inclusive Angebot also eher einfach: nicht so billig wie „90er Jahre Dominikanische Republik“, aber unseres Erachtens auch etwas mau für Vierstern Superior auf den Malediven.
Ausstattung & Services
Selbstverständlich gibt es einen Pool für alle, einen kleineren zweiten nur für Erwachsene (kümmert aber weder Eltern noch Personal) sowie ein kleines Gym, eine Tauchbasis, einen Shop und ein Kids Center. Außerdem einen sehr schönen Spa- und Wellnessbereich. Besonders hervorzuheben ist das ausgesprochen lebendige Hausriff, das dank cleverer Anlage auch für völlig unerfahrene Schnorchler vom Einstiegs-Steg bis zum Endpunkt am Strand dank der Strömung ein äußerst angenehmes und kräfteschonendes Erlebnis bietet.


Schwimmweste bzw. -Jacket ist hier übrigens ohne Diskussionen Pflicht, man achtet penibel auf die Sicherheit der Gäste. Quasi wie auf einem Förderband wird man vom 29 Grad warmen Wasser an Korallen, bunten Fischen, kleinen Haien und Schildkröten vorbeigezogen. Einmalig, auch für routinierte Schnorchler. Und für alle Gäste inkludiert ist auch ein abendlicher Bootsausflug mit hoher Wahrscheinlichkeit, Delfine zu spotten!
Was wir lieben …
Das Hausriff. Egal, ob man zum ersten Mal im Indischen Ozean den Kopf unter Wasser hält oder alle Weltmeere beschnorchelt hat, hier kann man sich nicht sattsehen, und das noch dazu völlig mühelos. On top kann man sich auch kostenlos eine GoPro ausborgen, um daheim mit selbstgefilmten Haien und Schildkröten anzugeben.


… und was nicht so
Die generell ziemlich generische Anmutung der Anlage, die sich von der Architektur über die Einrichtung bis hin zur Auswahl und Qualität des All Inclusive Angebots durchzieht. Alles in allem eher mau und nach reiflicher Überlegung nur Vierstern ohne Superior. Das vom Resort selbst gewählte Prädikat „Luxus“ trifft nicht zu.
Top Tipp
Je nach Verfügbarkeit und Aufenthalt ein Dinner im Restaurant „Raga Route“ mit progressiver indischer Küche.
Fazit & für wen ist das Oblu Nature Helengeli by Sentido geeignet?
Ein Aufenthalt auf den Malediven, der vor allem für Familien oder junge Paare kostenmäßig gut planbar ist und ein einmaliges Schnorchel-Erlebnis bietet. Für alle, die trotz schmaler Börse einmal im Leben auf die Malediven und vor allem die wunderschöne Unterwasserwelt erkunden möchten. Für erfahrene Reisende und Gäste mit hohen Ansprüchen vermutlich zu basic.
Oblu Nature Helengeli by Sentido
Helengeli Island, 08280, Malediven