Wir schreiben die 80er Jahre. Ein Trend, der sich schon in den 70ern in den USA breit gemacht hatte, schwappt zu uns über: Popcornputz. Darunter versteht man Wand- und Deckenfarbe, die mit kleinen Kügelchen vermischt wird. Beim Auftragen entsteht so eine unebene Oberfläche. Und die fand man wohl früher ganz schick.
Etwas an Popularität büßte er ein, als man um die Gefährlichkeit von Asbest erfuhr. Ein Stoff, der schwer krebserregend ist und in den USA häufig dafür verwendet wurde, um die unebene Struktur dieses zugegebenermaßen ikonischen Wandverputzes zu erreichen. Allerdings nicht nur in den USA: Bis in die 90er Jahre verwendete man auch in Europa Asbestfasern im Popcornputz. Zwar kommen heute meist Styropor- oder Papierkügelchen zum Einsatz, dennoch ist er ein Interior Design Fehler, den man vermeiden sollte.
Warum man ihn überhaupt verwendete
Fragt man jene, die diese Art von Wand- und Deckenfarbe einst verwendeten, weshalb sie sich dafür entschieden, gibt es meist ein Schulterzucken und die Antwort “Das war so modern”. Ein Modetrend also, der um sich griff wie eine Virusinfektion. Nun kann man über Geschmack streiten, über Fakten weniger. Zu den Fakten gehört, dass man durch den unruhigen Putz oft Unebenheiten der Wände gut versteckte. Die Oberfläche warf kleine Schatten, hohe große Räume, die man sonst als zu “leer” wahrnahm, erhielten durch den Strukturputz Tiefe.




Die raue Oberfläche schluckt einiges an Licht, weshalb “hallenartige” Räume dadurch wohl etwas gemütlicher wahrgenommen wurden. Wohlgemerkt: wurden. Denn heute gehört Platz zum größten Luxus hinsichtlich Wohnen. Je größer, heller und glatter Räume sind, desto freier fühlen wir uns. Wir haben die Zeit des Höhlendaseins nun also endlich hinter uns gebracht.
Geschmack ändert sich, Asbest bleibt
Ein weiterer Nachteil, den viele wahrscheinlich zu wenig beim Anbringen des Putzes bedacht haben, liegt eben genau in dieser unregelmäßigen Struktur. Die ist nämlich irgendwie doch regelmäßig. Was hier so kryptisch klingt, wird spätestens dann klar, wenn man die Wand im Nachhinein wo aufstemmen muss, um zum Beispiel ein Kabel zu verlegen. Verputzt man sie danach wieder, muss man mühselig mit Farbe derselben Körnung drüber gehen. Und dabei sorgsam vorgehen, denn ausgebesserte Stellen sieht man sonst sofort. Nicht schick.




Möchte man den Putz wieder loswerden, geht das gar nicht so einfach. Anders als bei normaler Wandfarbe kann man nicht einfach was Neues anbringen. Man muss zuerst Altes restlos entfernen und dadurch entstandene Unebenheiten sorgfältig ausbessern, bevor die neue Grundierung an die Wand kann. Popcornputz von Wänden zu kratzen ist eine wahnsinnig mühsame Angelegenheit. Geht man manuell mit der Spachtel vor, sind wüstenähnliche Staubschichten im ganzen Haus zu erwarten. Und: Wurde der Putz vor den 2000ern angebracht, ist sicherheitshalber ein Test auf Asbest bei einer zugelassenen Prüfstelle dringend empfohlen.
Popcornputz entfernen: Tipps
Nur, wenn kein Asbest enthalten ist, kann man sich selbst an die Arbeit machen. Auch dann ist aber eine sehr gute Atemschutzmaske empfehlenswert. Oft lassen sich Teile des Putzes zusammenhängend mit einer Spachtel gut entfernen. Eine praktische Alternative stellen Trockenbauschleifer mit Absaugvorrichtung dar. Sie entfernen die Unebenheiten relativ schnell und zuverlässig. Wer sich gar nicht an den Job wagen möchte, rührt am besten schonmal den Gips an und verputzt die Wand neu.




Fest steht jedenfalls: Popcornputz sollte in Neubauprojekten oder bei Sanierungen einfach nicht mehr zum Einsatz kommen. Es gibt so gut wie keine ästhetischen Vorteile, denn neben seinem drückenden und verdunkelndem Effekt hat er auch greifbare Nachteile. Schmutz und Spinnweben fangen sich an den Spitzen nämlich super gut und werden so schnell zum unfreiwilligen Blickfang. Wer Struktur an der Wand möchte, sollte lieber zu Effektfarbe greifen. Die ist im Falle des Falles auch schnell wieder überpinselt.












