Es gibt sie, Gerichte, die aus den Speisekarten der Unterkünfte dieser Welt einfach nicht wegzudenken sind. Ob beim Frühstück, Lunch, Dinner oder als Barsnack zu später Stunde: Oftmals prägen gerade sie die lukullische Ausrichtung ikonischer Häuser. Doch was macht klassische Hotel Gerichte aus? Was steckt hinter dem, nicht selten globalen Siegeszug, den einzelne nur vermeintlich unspektakuläre Mahlzeiten antreten?
Wirklich entgegen allen Food-Trends?
Kein Monat vergeht ohne neuen Gastro-Trend. Was eben noch völlig unbekannt, ist heute der Hit schlechthin und in wenigen Wochen bereits vergessen. Pop-ups, die die Richtung vorgeben oder ihr hinterlaufen, so ganz klar ist das wohl vielleicht nicht einmal den Betreibenden, sprießen allerorts aus dem Boden. Was dabei angeboten wird, scheint nur von sekundärer Bedeutung. Vielmehr gilt es unter den ersten zu sein, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen.


Soweit die Regel. Jedoch sind diese Entwicklungen keineswegs als Einbahnstraße zu betrachten. Denn gleichzeitig steigt das Bedürfnis der Menschen nach Bekanntem und Vertrautem. Auch und gerade beim Essen. Schließlich lassen sich über Geschmäcker und Aromen ganz wunderbar Emotionen transportieren. Und wer fühlt sich nicht gerne in behütete Zeiten zurückversetzt? So durchleben wir in vielen Branchen aktuell regelrechte Nostalgiewellen – folgerichtig auch in der (Hotel-)Gastronomie.
Klassische Hotel Gerichte: Das Club Sandwich
Wenn es einen Prototyp für weltweit verstandene Hotel-Kulinarik geben sollte, dann ist es definitiv das Club Sandwich. Vor mehr als 100 Jahren in den Gentlemen’s Clubs der US-amerikanischen Ostküste erfunden, sollte es nicht lange dauern, bis die Speise auf den Karten der Grand Hotels und in weiterer Folge auf jenen der meisten gehobenen internationalen Herbergen zu finden sein sollte.


Neben seiner Verlässlichkeit ist wohl die Simplizität seiner Zutaten ein Geheimnis des andauernden Erfolgs. Drei Scheiben geröstetes Toastbrot, Hühnerbrust, Speck, Tomatenscheibe und Salatblatt. Das alles auf einem Holzspieß aneinander gereiht und durch den markanten diagonalen Schnitt auch optisch ansprechend präsentiert, mehr braucht es da gar nicht. Dass Gäste handwerklich profund umgesetztes Comfort Food zu schätzen wissen, zeigt sich schon seit geraumer Zeit auch in den Häusern von Mariott International. Vertrautheit wird hier immer häufiger als moderner Luxus verstanden.
“Ein Club Sandwich ist selten das aufregendste Gericht einer Karte. Aber es vermittelt ein Gefühl von Ankommen, Durchatmen, Verlässlichkeit, Komfort und Gastfreundschaft. Genau diese Emotionen sind Kernwerte erfolgreicher Hotellerie.”
Roland Kauer, Executive Chef des Sheraton Frankfurt Airport Hotel und Frankfurt Airport Marriott Hotel
Was zeichnet ein gutes Club Sandwich aus?
Die erwähnte Einfachkeit die Zutaten betreffend, ist gleichzeitig Herausforderung für die Köche und Köchinnen, die das Sandwich zubereiten. Denn weder eine geheime Zutat, noch etwaige aufwändige Präsentationen gereichen hier zum entscheidenden Vorteil. Die Details müssen in sich stimmig sein. Die Frische und Qualität der Zutaten bestimmen das Endprodukt. Ein Produkt, das oftmals auch als kuinarische Visitenkarte des Hotels gilt. Ein Aushängeschild, das zwar weltweit ähnlich, aber doch nie exakt gleich serviert wird. Ebensowenig wie vergleichbare Speisen übrigens. Man denke nur an Eggs Benedict, den Ceasar Salad oder das Chocolate Fondant.


Unterschiedliche Interpretationen zeigen, wie vielfältig auch einfache Gerichte sein können und tragen zur Zukunft derselben maßgeblich bei. So machen sich beispielsweise einige Häuser der Marriott-Gruppe durch ihre jeweilige regionale Interpretation des Club Sanwiches verdient. Während im München Marriott Hotel City West das Isar Club Sandwich in einer bayrischen Variante mit Dinkeltoast, Schwarzwälder Speck und Obazda serviert wird, gibt es Im The Ritz-Carlton, Berlin neben dem traditionellen Club Sandwich mit Prignitzer Maispoularde auch eine vegetarische Version mit mariniertem und gegartem Sellerie. Im The Ritz-Carlton Rabat, Dar Es Salam wiederum werden hochwertige marokkanische Zutaten mit regionalem Gemüse verbunden.