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Network Marketing: Chance oder Vorurteil?

© Susanne Karner

Hanna Wagner hat einen anerkannten Job an den Nagel gehängt: Statt als ausgebildete Rechtsanwältin – zuletzt im Konzern – zu arbeiten, baut sie ihre Selbstständigkeit im Network Marketing als Mama-Business auf. Und aus. Sie hat sich die Branche mit juristischem Blick angesehen.

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Transparenz ist unerlässlich

Das Vorurteil vom „gefährlichen Schneeballsystem“ kann Hanna Wagner nicht mehr hören. Bevor sie ins Network Marketing gewechselt ist und sich dort ihre Selbstständigkeit aufgebaut hat, haben Familie und Freunde immer wieder zur Vorsicht gemahnt. Doch die 33-Jährige sagt: „Fakt ist, dass Network Marketing sowohl in Österreich als auch in Deutschland legal ist. Schneeball- oder Pyramidensysteme hingegen sind Betrug und damit verboten.“

Bevor die Ex-Anwältin aus Saalfelden im Salzburger Pinzgau einstieg, prüfte sie das Unternehmen mit ihrer juristischen Expertise genau. Wagner wollte kein Risiko eingehen. Überzeugt haben sie vor allem die lange Unternehmensgeschichte, die internationale Präsenz und die starke Marktstellung der Produkte. „Das Unternehmen gibt es seit beinahe 50 Jahren in vielen Ländern. Außerdem kommt man leicht an Informationen“, sagt sie.

Als Ex-Anwältin ins Network Marketing

Den Entschluss, die Rechtsabteilung eines international agierenden Konzerns zu verlassen, traf Hanna Wagner mit Blick auf ihre Zukunft als Mutter. Sie wollte ausreichend Zeit mit ihrer Familie und ihrem Baby verbringen. „Auf Instagram bin ich auf das Mama-Business mit zehn Stunden Arbeitszeit pro Woche gestoßen“, erzählt sie.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie nun im Network Marketing. Dabei blieb es nicht beim Vertrieb von Produkten im eigenen Umfeld oder über Social Media. Wagner baut mittlerweile ein Team auf, das die Produkte wiederum im eigenen Netzwerk verkauft. Provisionen im klassischen Sinn gebe es nicht, erklärt sie, sondern Bonuszahlungen nach einem fixen Vergütungsplan, der für alle gleich sei. 

Hanna Wagner MamaBusiness, Network Marketing
Hanna Wagner aus Saalfelden, Salzburg, ist Ex-Anwältin und zum Mama-Business im Network Marketing gewechselt. © Susanne Karner
Hanna Wagner MamaBusiness, Network Marketing
Hanna Wagner aus Saalfelden, Salzburg, ist Ex-Anwältin und zum Mama-Business im Network Marketing gewechselt. © Susanne Karner

“Familie und Beruf flexibel verbinden”

Wagner bezeichnet das frauen-dominierte Network als „nachhaltige Einnahmequelle mit Wachstumspotenzial“. Gerade für Frauen, die ortsunabhängig arbeiten oder Familie und Beruf flexibler verbinden möchten, sieht sie darin Chancen. „Für Arbeit von zu Hause oder von unterwegs aus wollen Frauen gutes Geld verdienen. Im Network ist das möglich, während besser bezahlte Angestelltenjobs oft mehr Arbeitszeit und Präsenz verlangen“, sagt sie.

Ob jede Frau im Network erfolgreich werden könne? Wagner nickt. „95 Prozent starten bei uns ohne irgendwelche Vorkenntnisse. Alle bekommen Einschulungen und konkrete Fahrpläne an die Hand. Wer umsetzt, kann wachsen.“ Dass es beim Aufbau eines solchen Geschäfts zu Umsatzschwankungen kommen kann, verschweigt sie nicht. „Das gibt es in jeder Selbstständigkeit“, fügt sie an. Trotzdem sieht sie gerade für Mütter großes Potenzial: „Ich kann anderen Mamas zeigen, wie sie von zu Hause aus Geld verdienen können. Und diese Möglichkeit geben sie wiederum weiter.“

Mama-Business als Ausweg aus Teilzeit-Falle?

Auch mit dem Vorwurf, Multi-Level-Marketing halte Frauen klein, kann Hanna Wagner wenig anfangen. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln unter anderem, dass Frauen dadurch verstärkt von zu Hause aus arbeiten. Wagner sieht das anders: „Welche Frauen können, wenn sie Mama sind, so schnell wieder in einen 20- oder 40-Stunden-Job zurückkehren und gleichzeitig Geld verdienen, ohne hohe Betreuungskosten zahlen zu müssen?“

Für die Ex-Rechtsanwältin ist ihr neues berufliches Umfeld vielmehr ein möglicher Ausweg aus jener Teilzeitfalle, in der viele Mütter landen. „Wir verkaufen nicht nur hie und da nette Produkte. Im Network können Frauen groß und erfolgreich werden.“ Ob sie das Business auch ihrer besten Freundin empfehlen würde? Wagner lacht. „Zu 100 Prozent, weil ich selbst voll dahinterstehe.“ Dann ergänzt sie: „Das Lustige ist: Meine beste Freundin ist tatsächlich erst vor ein paar Wochen eingestiegen.“

Hanna Wagner MamaBusiness, Network Marketing
Hanna Wagner hat mit juristischem Blick auf Network Marketing geschaut und dann eine Entscheidung getroffen. © Susanne Karner
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Hanna Wagner hat mit juristischem Blick auf Network Marketing geschaut und dann eine Entscheidung getroffen. © Susanne Karner

Juristischer Blick auf Network Marketing

Ganz ohne Warnsignale gehe es allerdings nicht, betont Wagner. „Hände weg, wenn Lizenzgebühren verlangt werden“, rät sie Menschen, die sich Unternehmen mit Network genauer ansehen möchten. Entscheidend sei außerdem die Qualität der Produkte. „Man sollte sich fragen: Würde ich das Produkt auch weiterempfehlen, wenn ich kein Geld dafür bekommen würde?“ Dass sie am Erfolg ihres Teams mitverdient, bestätigt Wagner offen. Den Unterschied zu dubiosen Pyramidensystemen sieht sie jedoch im Fokus des Geschäftsmodells: „Beim Schneeballsystem geht es vor allem darum, immer neue Mitglieder anzuwerben. Bei uns steht das Produkt im Mittelpunkt.“

Ein Business, das vererbbar ist

Im Network könne jeder Mensch erfolgreich werden, sagt die Salzburgerin. Und das unabhängig davon, wann jemand eingestiegen sei. „Bei uns kann eine Anfängerin oder ein Anfänger jederzeit jene überholen, die aktuell an der Spitze stehen.“ Eine Rückkehr in den Beruf als Anwältin schließt Hanna Wagner übrigens nicht aus. Vielleicht später einmal. „Da mein Geschäft vererbbar ist, könnte ich es meiner Tochter zu ihrem 18. Geburtstag überschreiben und selbst wieder als Anwältin arbeiten“, überlegt sie. Bis dahin bleiben allerdings noch rund 17 Jahre. Viel Zeit, weiter an ihrem Network zu bauen.



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