Ein Quadratmeter, zwei Menschen und ganz viel Gefühl: Anna Werr und Heinrich Hess wollen mit ihrem “Intimate Blues” Nähe und Leidenschaft in Beziehungen zurückbringen. Für diesen Online-Tanzkurs braucht es weder tänzerisches Talent noch komplizierte Schrittfolgen. Wichtig ist vor allem die Zeit füreinander. Und die geht im Alltag nur allzu oft verloren.
Die Woche ist durchgetaktet, die To-do-Liste lang und an den Abenden fehlt oft die Energie für mehr als einen gemeinsamen Fernsehabend. Dass dabei die Leidenschaft in einer Beziehung auf der Strecke bleiben kann, wissen viele Paare.
Leidenschaft neu entfachen


Die gute Nachricht: Das Knistern lässt sich zurückholen. Davon sind Anna Werr und ihr Mann Heinrich Hess überzeugt. Die beiden setzen auf eine ebenso einfache wie ungewöhnliche Idee, nämlich miteinander zu tanzen. Mit “Intimate Blues” laden sie Paare dazu ein, zu Hause die Musik aufzudrehen, sich bewusst zu bewegen und einander wieder aufmerksam zu berühren. “Wenn wir fühlen, können wir nicht denken – und umgekehrt”, erzählt Anna Werr. Wer den Termindruck und das ständige Gedankenkarussell für eine Weile hinter sich lasse, könne Lust und Leidenschaft wiederentdecken.
Mehr Nähe in der Beziehung: Tanzen statt reden
Dafür braucht es erstaunlich wenig. “Ein freier Quadratmeter, Musik und der Fokus aufeinander reichen aus”, bringt es Heinrich Hess auf den Punkt. Komplizierte Schrittfolgen seien hingegen nicht notwendig. Schließlich gehe es nicht darum, eine möglichst gute Figur auf dem Parkett zu machen, sondern miteinander in Kontakt zu kommen.


Und wer sich dabei unbeholfen fühlt? Darf trotzdem mittanzen. “Wichtig ist, sich wohlzufühlen. Ob fein zurechtgemacht oder in Jogginghose und Socken. Alles ist okay”, sagt Anna Werr. Für diverse Bedenken wegen Schrittfolgen, Haltung und ähnlichem haben freilich beide Verständnis. Denn gerade in Österreich sei Tanzen stark von klassischen Tänzen und renommierten Tanzschulen geprägt. Bei “Intimate Blues” gebe es deshalb weder ein Richtig noch ein Falsch. Die Bewegung zur Musik diene vielmehr als Einstieg, damit sich Paare nicht einfach tatenlos gegenüberstehen. “Sobald Menschen sich zur Musik bewegen, passiert etwas mit ihnen”, ist Hess überzeugt.
Wenn aus Nähe Leidenschaft wird
Die beiden Tanzlehrer richten sich mit “Intimate Blues” an Paare, die einander mögen, zusammenbleiben wollen und merken, dass ihre Beziehung im Alltag zu kurz kommt. “Tendenziell merken wir, dass durch das Tanzen das Lodern, das sie von früher kennen, schnell zurückkommt”, berichtet Heinrich Hess. Seine Frau beschreibt den Effekt mit einem Vergleich: Bei Hochzeiten sei oft ganz offensichtlich, dass zwei Menschen ein Team sind. Im Laufe der Jahre könne dieses Wir-Gefühl verschüttgehen.


Durch das Tanzen soll das wieder spürbar werden. Und manchmal bleibt es nicht beim Tanzen. “Ein Effekt dieser Art zu tanzen kann sein, dass man im Bett landet”, sagt Hess klar. Allerdings sei es gerade wichtig, ohne konkrete Erwartungen an die gemeinsame Zeit heranzugehen. Denn je weniger Druck entstehe, desto eher könne sich echte Intimität entwickeln.
Musik, die Paare in Bewegung bringt
Eine vorgeschriebene Playlist gibt es nicht. “Beinahe jede Musik ist möglich”, sagt Anna Werr. Während sie sich Techno jedoch “eher schwierig” vorstellt, hält sie Kuschelrock oder langsame Latin Music für wunderbar geeignet.
Heinrich Hess hat drei persönliche Favoriten:
- „I Lost My Sugar in Salt Lake City“ – Gordon Webster & Hetty Kate
- „The Ice Queen“ – Sue Foley
- „A Gentle Awakening“ – J.D. McPherson
Bleibt also nur noch, einen Quadratmeter freizuräumen, die Musik aufzudrehen und sich aufeinander einzulassen. Was daraus wird? Das dürfen die beiden Tanzenden selbst herausfinden. Und wer statt zum Onlinekurs lieber live tanzt, kann das am 9. Jänner 2027 bei einem Workshop in Salzburg machen.