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FLEM Magaluf FLEM Magaluf

Literaturfestival statt Sauftourismus: Magaluf erfindet sich neu

© Conny Derdak

Magaluf – ein Ort auf Mallorca. Schon mal gehört? Wohl eher nicht, wenn man nicht aus England ist. Magaluf war die letzten Jahrzehnte nämlich für die Briten, was der Ballermann für die Deutschen ist. Nun versucht Magalufs Heimatgemeinde Calvià aber, sich vom Image des Sauftourismus zu lösen. Ob das gut gehen kann? Wir haben’s uns angesehen.

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Die Baleareninsel Mallorca ist ja für vieles bekannt. Nicht nur für wunderschöne Landschaften und tolle Strände, sondern auch für exzessive Partys und – wenn man sich an das Magaluf von vor rund zehn Jahren zurückerinnern möchte – Balkonsprünge betrunkener Engländer. Nicht gerade die Schokoladenseite der Insel.

Magaluf setzt jetzt auf Kultur

Seit ein paar Jahren möchte die Gemeinde Calvià, zu der Magaluf gehört, ein ganz anderes Publikum anziehen: Familien und Kulturinteressierte. Ob das klappt? Ja, irgendwie schon. Zum Beispiel mit Büchern und Performances unter Palmen. Vor kurzem fand das Literaturfestival FLEM (Festival de Literatura Expandida a Magaluf) statt. Bereits zum sechsten Mal. Jedes erste Wochenende im Oktober lädt ein hipper Buchladen aus Palma, Rata Corner, gemeinsam mit der Hotelgruppe Melià (übrigens in Magaluf gegründet), zu diesem Event.

FLEM Magaluf
© Conny Derdak
FLEM Magaluf
© Conny Derdak

Das FLEM-Festival ist jung, modern, cool – und richtig schön. Nicht nur für Menschen, die Bücher lieben. Vier Tage lang gibt es einen Mix aus Literatur, Design und Musik. Und beste Stimmung. FLEM bringt jedes Jahr große Namen nach Magaluf. In den vergangenen Jahren beehrten Siri Hustvedt („Was ich liebte“), Chuck Palahniuk („Fight Club“), Helen Fielding („Bridget Jones“), Irvine Welsh („Trainspotting“) und André Aciman („Call Me by Your Name“) die Veranstaltung, um nur ein paar zu nennen.

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David Foenkinos und Anna Todd als internationale Headliner

Dieses Jahr durften wir den Franzosen David Foenkinos, Autor von „Nathalie küsst“, und die US-Amerikanerin Anna Todd kennenlernen. Anna Todd kennt man vielleicht, wenn man unter 30 ist. Und weiblich. Denn sie schrieb die „After“-Serie. Das ist eine New-Adult-Romance-Reihe, die als Fan-Fiction rund um Harry Styles begann. Aber das nur am Rande. Heute ist die Frau dank über 12 Millionen verkaufter Bücher und mehreren Hollywoodverfilmungen millionenschwer. Und dennoch am Boden geblieben. Ebenso wie David Foenkinos.

Anna Todd beim FLEM
Anna Todd beim FLEM, © Miguel A. Cañellas
Anna Todd beim FLEM
Anna Todd beim FLEM, © Miguel A. Cañellas

Woher wir das wissen? Weil die teilnehmenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller während des FLEM wirklich greifbar sind: Bei Interviews und Diskussionsrunden auf der Bühne und Autogrammstunden erhalten die Fans tatsächlich die Möglichkeit, mit den Schreibenden zu sprechen. Und das kostet nicht einmal etwas, denn der Eintritt zum FLEM ist frei.

David Foenkinos, FLEM
David Foenkinos, © Conny Derdak
David Foenkinos
David Foenkinos, © Conny Derdak

Was hingegen schon Geld kostet, ist die Übernachtung in jenem Meliá-Hotel in Magaluf, in dem das Festival stattfindet. Das ist in der Regel entweder das INNSiDE by Meliá Wave Calviá oder das INNSiDE Calviá Beach. Die beiden sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Da sollten alle übernachten, die ganz nah dran sein möchte. Was sie dafür bekommen, ist etwa – wie in unserem Fall –, neben dem spanischen Autor und Schauspieler Carlos Bardem zu frühstücken. Carlos Bardem hat in mehreren Hollywood-Produktionen mitgespielt, an der Seite von Größen wie Jake Gyllenhall, Natalie Portman und Benicio del Toro. Und sein Bruder Javier ist mit Penelope Cruz verheiratet. Just saying.

Wandern in Calvià

FLEM ist nicht das einzige Festival, mit dem Calvià sein Image ändern möchte. Mit verschiedenen Film- und Musikfestivals gibt es quasi das ganze Jahr gute Gründe, nach Magaluf und Umgebung zu reisen. Und auch, wer Historisches mag, ist gut aufgehoben. Denn die Region Calvià bietet nicht nur Geschichten, sondern auch Geschichte. Vor ein paar Jahren hat der „Archäologiepark“ Sa Morisca eröffnet. Hier erfährt man, wie die (damals noch islamische) Bevölkerung auf Mallorca lebte, bevor 1229 christliche Eroberer in Santa Ponça eintrafen. Der Archäologiepark ist gratis. Und auch fein für Menschen, die Geschichte nicht interessiert. Denn das 45 Hektar große Areal eignet sich wunderbar für kleine Wanderungen. Weitblick auf die umliegende Region Calvià und die herrlich grünen Kiefernwälder inklusive.

Wandern Sa Morisca
© Conny Derdak
Wandern Sa Morisca
© Conny Derdak

Wandern geht übrigens auch gut in der Region Galatzò. Die ist mit dem Auto leicht zu erreichen. Und auch eine öffentliche Anreise ist möglich: mit dem Bus nach Es Capdella (bodenständiger Lokaltipp: Bar Nous!). Von dort sind es rund vier Kilometer zu Fuß zu den Wanderwegen. Wer fürs Stargazing bleiben will, kann in der Finca Pùblica Galatzò übernachten. Die Gemeinde Calvià hat das historische Anwesen vor 20 Jahren gekauft und in eine „Berghütte“ mit günstigen Mehrbettzimmern verwandelt. Und die umliegenden 1400 Hektar gleich dazu – mitsamt alter Granatapfel-, Mandel- und Olivenbäume, Schweinen und Eseln.

Schönster Strand auf Mallorca

Wer doch lieber in Magaluf bleibt, kann mittlerweile zwischen all den (hübscheren und weniger hübschen) Lokalen auch – ein bisschen – Natur finden. Erst diesen Mai wurde die neue Strandpromenade Paseo Maritimo eröffnet. Die Gemeinde hat sich wirklich Mühe gegeben, Promenade und Strand ansprechender zu gestalten. Der Strand von Magaluf, der mit seinem feinen Sand tatsächlich zu einem der schönsten Stadtstränden Mallorcas zählt, hat ein paar Palmen und Grünpflanzen erhalten. Renaturierung nennt man das. Ist gelungen. Denn angeblich kommen jetzt auch mehrere Wildvögel – und verschiedene Nationalitäten – zurück. Während vor fünf, sechs Jahren noch etwa 80 Prozent der Touristinnen und Touristen britisch waren, sind es jetzt nur noch halb so viele.

Strand von Magaluf
© FLEM, Miguel A. Cañellas
Strand von Magaluf
© Conny Derdak

Was wir bei unserer Reise auf die Baleareninsel gelernt haben: Calvià ist nicht nur Magaluf. Magaluf ist nicht nur Saufen. Und saufen tun nicht nur die Briten. Aber das ist eine andere Geschichte.



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