Mit Explora Journeys setzt Familie Aponte neue Maßstäbe in Sachen Luxuskreuzfahrt. Wir durften auf der Explora II Erfahrungen sammeln, die durchaus in die Kategorie erinnernswert fallen. Was das Schiff kann, wie sich eine Cruise damit anfühlt und was Gäste erwartet.
Gäste sind hier Royals
Zunächst hatte ich mich minutenlang vor dem Spiegel von einer Richtung in die andere gedreht. Doch allein war ich zu keinem Ergebnis gekommen. Also mussten härtere Geschütze her. Ein bisschen dumm kam ich mir zugegebenermaßen schon vor, als ich mich im ewig langen Gang der Explora II von einer jungen, sehr schönen Frau, von oben bis unten mustern lasse. Aber ich hatte sie schließlich drum gebeten, allein konnte ich nämlich die drängende Frage, ob mein neues Kleid – gekauft beim Landausflug in Rovinj – nun durchsichtig oder für die Augen der Allgemeinheit verträglich war. „Sie sehen gut aus. Das ist toll!“, sagt Priska. Sie ist eigentlich für all meine Wünsche zuständig, vom Auffüllen der Mini-Bar mit alkoholfreiem Bier und Diet Coke übers Turn Down Service bis hin zum Besorgen eines weicheren Kissens. Doch jetzt nimmt sie die Rolle einer Freundin ein, und ich glaube ihr.


Während ich im Sakura, einem der sechs Hauptrestaurants an Bord der Explora II, herrliches Sashimi, Gyoza und andere Herrlichkeiten aus der panasiatischen Küche speise, bringt Priska meine Suite in Ordnung. Sie verstaut den Dyson Föhn samt Zubehör, stellt mir ein Glas Wasser auf den Nachttisch, lüftet durch, schlägt das Bett auf, sieht nach, ob ich irgendwelche Amenities brauchen könnte. Sie ist eines von 700 Crewmitgliedern, die sich um die Gäste kümmern.


Das Gast- zu Crew-Verhältnis liegt daher bei etwa 1,3:1. Ein höheres Service-Level bekommt man nur auf einer privaten Yacht. Vorrangig sind hier, wie auf den meisten Kreuzfahrtschiffen, die großen Seefahrernationen Indonesien und Philippinen vertreten, doch insgesamt ist die Crew ziemlich divers. „Wir haben sogar eine Amerikanerin an Bord“, lacht der Steward, während wir auf unser Zodiac für den Landgang warten und uns über Personalfragen unterhalten.
This is amazing!
Unter den Gästen herrscht hingegen während unserer Reise, die von Venedig bis Athen führt und natürlich die schönsten Häfen dazwischen anläuft, in Sachen Nationalitäten gefühlt relative Homogenität. Es ist vor allem amerikanisches Englisch, das wir zu hören bekommen. Entsprechend entspannt gestalten sich Ausflüge. Es macht Spaß zu sehen, wie sehr die Gäste aus Übersee von den Orten entlang des Weges begeistert sind. Dadurch sehe auch ich die Straßen Rovinjs oder Dubrovniks mit neuen Augen. „It’s an amazing experience“, erzählt Edward. Er ist Private Investigator aus LA und gemeinsam mit seiner Frau unterwegs. Die beiden verkörpern in gewisser Weise den Gast, wie er zumindest während unserer Explora II Erfahrungen typisch ist: höflich, gepflegt, erfolgreich, kulturell interessiert, begeisterungsfähig.


Sie lächeln sich Jetlag-geplagt durch eine Weinverkostung während des Landganges in Rovinj und nicken freundlich dazu. Von daheim, den Weingütern Napa Valleys, sind sie andere Kaliber gewöhnt, und auch ihr „Zuhause auf See“ offeriert da schon um einige Klassen Besseres. Garnacha Frontonio und der Riesling von Dr. Loosen, um nur zwei zu nennen. Und die sind, ebenso wie Prosecco, edler Champagner, Cocktails, Bier und alkoholfreie Getränke, bereits im Reisepreis enthalten.


Doch nicht nur das. Denn mit so etwas wie „Getränkepaketen“ gibt man sich bei Explora Journeys gar nicht erst ab. Hier ist alles inklusive, von der Minibar bis zum In-Suite-Dining rund um die Uhr, vom Marktrestaurant bis zu den Spezialitätenlokalen, vom Kaffee bis zur Praline, vom Lobster bis zum Wagyu Steak. Einzig Spa-Treatments, die Boutiquen, Edelst-Drinks, Master Classes und Landgänge kommen zum Reisepreis noch dazu. Workaholic Edward bestätigt, dass ein weiteres wichtiges Buchungsargument für ihn das WLAN an Bord ist. Das klingt erstmal banal, aber es ist inkludiert und superschnell. Keine Selbstverständlichkeit bei anderen Reedereien, wo man schonmal Unsummen hinlegt, weil man kurz mal Mails checken möchte.
Frühe Vögel
Die Tage an Bord folgen schnell einem eigenen Rhythmus. Fast habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen, als ich allabendlich die von Priska zum Turn Down Service sorgfältig vorgezogenen Verdunkelungsvorhänge wieder öffne. Ich liebe es, morgens mit dem Tageslicht aufzuwachen und das Meer schon sehen zu können, ohne dafür das Bett verlassen zu müssen. Meist hält es mich in dem aber ohnehin nicht lange. Ich mache mir einen Kaffee (Nespresso) und begebe mich auf meinen Balkon, um von der Meeresbrise umweht in den Tag zu starten.


Aus Gesprächen weiß ich, dass das viele der Passagiere so handhaben, schließlich gibt es ausschließlich Außenkabinen und die haben alle einen Balkon oder eine Terrasse. Ach ja, und man nennt sie alle „Suite“, denn schon die Einstiegskategorie punktet mit begehbarem Kleiderschrank, Terrasse, Regendusche, Champagner und Minibar, großem Wohnbereich und 24/7-in-Room-Service.
Wache ich früh genug auf und knallt die Sonne noch nicht zu intensiv vom Himmel, begebe ich mich meist auf Deck 12, das Außendeck. Hier verläuft nämlich eine Open-Air-Laufstrecke. Ich trabe Runde um Runde, bin aber längst nicht allein. Die Strecke führt am Open-Air-Gym vorbei, wo Mitreisende bereits fleißig auf den Rudergeräten exerzieren. Ich passiere Gäste, die spazieren gehen und genieße die Aussicht. Wird es zu heiß, verlege ich meine Sporteinheiten ins Gym. Das ist relativ großzügig geschnitten, wohltemperiert und mit Laufbändern sowie modernen Kraftgeräten von Technogym ausgestattet. Hier trainiert man mit Aussicht. Profi-Tipp: morgens kann es sehr voll werden, weil jeder vor dem Frühstück und Landgang die lästige Pflicht absolvieren will. Wer das Gym für sich allein haben möchte, kommt am frühen Nachmittag.


Landgang, individuell oder organisiert
Der Tag findet seine Fortführung meist im Fil Rouge, wo man das Frühstück serviert bekommt und der Avocado-Toast ebenso überzeugt wie das Gebäck, allen voran das Baguette. Rund um das hat sich schon eine gewisse Art Kult entwickelt, denn es wird nach französischen Boulangerie-Standards an Bord nach einem alten Rezept gebacken. Man importiert dafür sogar extra das feinste Mehl aus Frankreich. Eine andere Option, die mir auch schnell ans Herz wächst, ist das Frühstück im Emporium Market Place.


Es verfügt über einen Außenbereich, man wählt aus allerhand Köstlichkeiten im Buffet-Stil, allerdings bekommt man jede einzelne Zutat vom Team gereicht. Drei Löffel geschnittene Erdbeeren, dazu ein Klecks Porridge, ein Klecks Naturjoghurt, drei Weintrauben und einen Löffel Himbeeren – die Mitarbeiterin hinter dem Tresen stellt mir mein Frühstück sorgfältig zusammen und findet sogar noch Zeit, mir ein Kompliment zu meinem Outfit zu machen. Am nächsten Tag stehen wir einander wieder gegenüber. Und sie hat sich gemerkt, wie ich meine Bowl gerne mag.


Das ist symptomatisch für das Team an Bord während unserer Explora II Erfahrungen. Als Gast wird man stets freundlich begrüßt, man nimmt sich Zeit für individuelle Wünsche und Anliegen, man wird schon kurz nach der Ankunft mit dem Vornamen angesprochen und immer wieder entstehen interessante Gespräche. Ich trinke meinen Espresso mit Blick auf die Altstadt von Dubrovnik, nehme mir aber im Vorbeigehen vom Crema Café noch einen Cold Brew mit. Auch den muss ich bei meinem zweiten Besuch schon nicht mehr bestellen. Er wird mir angeboten.


Ich trinke ihn, während ich auf die Abfahrt des Tenderbootes warte, das mich und andere Reisende nach Rovinj, Dubrovnik oder zu den anderen Häfen mit Tenderpflicht bringt. In Zadar und Venedig spaziert man einfach so von Bord. Auf der anderen Seite erwartet einen ein Explora-Zelt mit Guides, Verpflegung und einem kleinen Zelt. Wer einen Ausflug gebucht hat, bewegt sich in der Kleingruppe fort, alle anderen schwärmen in die unterschiedlichsten Richtungen aus. Zurück zum Schiff zu gelangen, ist einfach. Die Boote fahren ständig hin und her. Von Touren zu Weingütern, klassischem Sightseeing bis zu sportlichen Aktivitäten kann man aus einem breiten Angebot wählen. Oder, wie ich, allein losziehen.


Das schöne Leben
In Rovinj kaufte ich besagtes Kleid, das Priska absegnet, in Dubrovnik verliere ich mich in den kleinen Seitengassen – aber immer bin ich etwas früher zurück als der Großteil der anderen Passagiere. Ich genieße die Zeit am Schiff, sonne mich mit Blick auf Sehenswürdigkeiten, kühle mich in einem der zahlreichen Pools ab (oder wärme mich, als Wind aufkommt, in einem der beheizten Whirlpools auf), koste mich durch das Getränke- und Speisenangebot und schlendere nach dem Abendessen, das mal hervorragende Steaks (im Marble), mal asiatische Küche (Sakura), mal Französisches (Fil Rouge), mal italienisches Fine Dining (Anthology, gegen Aufpreis) und mal Mediterranes (Med Yacht Club) beinhaltet, durch die Boutiquen an Bord.

In Sachen Entertainment setzt man ebenso wie hinsichtlich des Schiffsdesigns auf Understatement. Nichts ist hier laut oder gar aufdringlich. Im Gegenteil. Alles wirkt fein kuratiert, selbst das Aktivitätenprogramm. Trivia-Quizze, Live-Musik, Yoga, Stammtische für LGBTQIA+ Reisende oder Alleinreisende und Führungen durch die Kunstgalerie an Bord sind nur einige der Möglichkeiten, sich an Bord ganz abseits von Animationsprogramm zu vergnügen. Ein Vergnügen, das ist eine Reise auf der Explora II so oder so, vom nahtlosen Check-in bis zum Check-out. Letzteren wird man als Gast nur widerwillig machen wollen. Wir hören, dass es sogar schon mal zu einer Handgreiflichkeit gekommen sei, weil Gäste die Suite nicht verlassen wollten. Ich kann es ihnen nicht verdenken.