Whycation ist der Reisetrend des Jahres 2026. Statt „Wohin reisen wir?“ steht plötzlich eine viel entscheidendere Frage im Mittelpunkt: Warum reisen wir überhaupt?
Auch wir wollten diesem Ansatz folgen. Also stellten wir uns genau diese Frage – und fanden die Antwort nicht auf einer Landkarte, sondern in den Projekten der TUI Care Foundation. Denn die Stiftung will, was wir wollen. Das Ziel der Nonprofit-Organisation ist es, den Impact von Tourismus zu nutzen, um etwas Gutes in der Welt zu bewirken. Anstatt sie durch (Massen-) Tourismus zu schädigen. Auch wir wollen dazu beintragen, dass es der Natur und den Menschen an jenen Orten, die wir besuchen, gut geht. Das ist es, was Whycation ausmacht: Erst das „Why“ klären und dann das „Where“. Wir folgen der Foundation und reisen zu ihren Projekten nach Ägypten, nach Kambodscha und Bali. Wir sprechen dort mit Menschen, die Unterstützung erhalten und sehen uns Projekte an, die die Natur schützen.
Whycation in Ägypten: Meaning statt Masse
Unsere erste Whycation führt uns nach Hurghada. Für viele gleichbedeutend mit Sonne, Essen, Schnorcheln. Der Klassiker für All-inclusive-Tourismus. Aber nicht für uns. Denn unser Ziel lautet ja: Mensch und Natur Gutes tun, indem wir reisen. Meaning statt Masse. Und es gibt sie tatsächlich auch hier: die außergewöhnlichen Erlebnisse. Die sinnstiftenden Aktivitäten. Die gemeinnützigen Projekte, die die lokalen Communitys vor Ort stärken.


Gemeinsam mit der Organisation enpact hat die TUI Care Foundation das Projekt ETENA („Empowering Tourism Ecosystems North Africa“) ins Leben gerufen. Hier erhalten Menschen wie Mostafa Sebaq die Chance, ihre Ideen zu verwirklichen. Er hat das Wohnhaus seiner Familie in ein Boutiquehotel mit sechs Zimmern umgewandelt, das El Quseir Hotel. Das historische Gebäude liegt zugleich am Meer und in der Altstadt von El Quseir. Mustafa setzt auf authentische Erlebnisse statt Resort-Flair. Durch ETENA erhält er – zusammen mit vielen anderen Jungunternehmenden aus der Region – Workshops, Trainings und (finanzielle) Unterstützung.


Gleichzeitig schafft er Arbeitsplätze für Frauen aus der Region, die gemeinsam mit Gästen lokale Produkte herstellen. So entsteht ein Austausch, der weit über klassischen Tourismus hinausgeht. Auch Mohamed Nabil geht diesen Weg. Mit seiner Agentur „Rove World“ organisiert er von Kairo aus nachhaltige Reisen – mit dem Anspruch, „die Extrameile für den Planeten“ zu gehen.
Szenenwechsel. Wir fahren in die Wüste.
Nach 18 Kilometern über Stock und Stein erreichen wir das Zuhause der Mazaa. Die Ureinwohner dieser Region in der steinigen Wüste vor Hurghada Leben als Nomaden. Alle zwei bis drei Monate wechseln ihre Dörfer den Standort. Stets den Wasserquellen folgend, die ihre Kamele für sie finden.


Die TUI Care Foundation unterstützt die Beduinen gemeinsam mit dem lokalen Partner Green Planet dabei, ihre Kultur und Lebensweise Reisenden näherzubringen. Urlaubende können eine Offroading-Tour durch die Wüste buchen. Und dabei die Mazaa und ihre Dörfer kennenlernen. „Wir wollen ihre Lebensweise nicht verändern. Wir wollen ihre Traditionen vor den Vorhang holen“, sagt Mahmoud Atiye, Gründer von Green Planet. Ihre Lebensweise und Traditionen, das bedeutet ein Leben abseits des Trubels, der sich an der Küste von Hurghada abspielt.


Hier zeigt sich, was Whycation wirklich bedeutet: nicht nur sehen, sondern verstehen. Scheich Mari, das Oberhaupt der Mazaa, zeigt uns sein Dorf. Handys besitzen die paar Dutzend Familien des Stamms wohl, doch darüber hinaus leben sie noch weitgehend wie früher. Einmal im Monat fahren die Männer nach Hurghada, um frische Lebensmittel zu kaufen. Die restliche Zeit wird gegessen, was die Wüste so hergibt: Brot, getrocknete Datteln, Knoblauch, Zwiebel, Favabohnen. Und Milch und Fleisch von den eigenen Dromedaren und Ziegen.
Whycation in Kambodscha: Reisen, die Zukunft schaffen
Am anderen Ende der Welt, in Kambodscha, isst man ganz andere Dinge: frische Kräuter, Fisch, Reisnudeln. Menschen wie Ream Boret („Journey Cambodia“) und Hong Ho („CWe Travel“) haben es mit der Unterstützung der TUI Care Foundation geschafft, hier ihre eigenen Travel Agencies aufzubauen. Ream besucht mit uns Angkor Wat in Siem Reap, das größte sakrale Bauwerk der Welt. Dank „Journey Cambodia“ hat der Guide Sok Chea einen gut bezahlten Job und kann seinen Kindern eine Ausbildung ermöglichen.


Es habe ganze 37 Jahre gedauert, Angkor Wat zu bauen, erzählt Sok. Das überrascht kaum, schließlich ist das gigantische Tempelareal vier mal drei Kilometer groß. Die beeindruckenden Tempel waren einst enorm prunkvoll: Die lotusförmigen Türme des Haupttempels aus grau-schwarzem Stein waren im zwölften Jahrhundert über und über mit Gold bedeckt.
Der freundlichste Tempel der Welt
Sok führt uns weiter zu Bayon, dem vermutlich freundlichsten Tempel der Welt. Von seiner Fassade lächeln uns über 200 in den Stein gehauene, meterhohe Gesichter an. „Die Tempel sind wie aufgeschlagene Bücher“, zeigt sich Sok begeistert. Er meint die unzähligen Reliefs in den Steinmauern: Männer, die Hahnenkampf betreiben, gebärende Frauen, Khmer-Krieger, die an der Seite von Chinesen kämpfen. Die Geschichte des Landes seit Hunderten von Jahren im Stein verewigt.


Auch Hong Ho lebt in Kambodscha. Ihren Eltern sei stets wichtig gewesen, dass sie sich einen Mann suche, erzählt sie. Doch die 32-Jährige hatte andere Pläne. Heute ist sie die Inhaberin des ersten Reiseveranstalters Kambodschas von und für Frauen. Und verdammt stolz darauf. „Ich möchte auch andere Frauen ermutigen, an sich zu glauben und ihr Business aufzubauen“, sagt die Jungunternehmerin.


Ab nach Battambang
Rund drei Stunden südwestlich von Siem Reap befindet sich Battambang. Die zweitgrößte Stadt Kambodschas war einst eine Hochburg für Kunst und Kultur. Bis die Roten Khmer in den 1970ern die Macht an sich rissen alles zunichte machten. Die kommunistischen Rebellen töteten zwei Millionen Menschen und wollten alle Kunst, Kultur und Bildung auslöschen. Heute wollen die Einwohnenden Battambangs die einst so lebendige kulturelle Identität ihrer Stadt wiederfinden. Und die zeigen sie jedes Jahr beim S‘Art Festival.


An diesem mehrtägigen bunten Spektakel sind auch Sey Kosal, Eng Vanrith, und Tep Sopermearlear beteiligt. Die drei sind 19 und 20 Jahre alt und Lehrlinge für Grafikdesign und Animation in der Zirkus- und Kunstschule Phare Ponleu Selpak. Die Schule bildet junge Menschen in kreativen Berufen aus. Junge Menschen, deren Familien sich die Ausbildung für ihre Kinder nicht leisten können. Die TUI Care Foundation finanzierte ihre Stipendien.


Seit dem Jahr 1986 ist die von der Französin Veronique Decrop gegründete Kunstschule ein Zufluchtsort für junge Menschen. Damals waren es von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer traumatisierte Kinder. Viele hatten ihre Eltern verloren. Das Zeichnen sollte ihnen ermöglichen, Emotionen zum Ausdruck zu bringen, über die sie nicht zu sprechen imstande waren. Die Schule rettete die Zukunft vieler Kinder: Einige der ehemaligen Kinder unterrichten heute sogar selbst in Phare Ponleu Selpak. Whycation? Um durch „positiven Tourismus“ sozial benachteiligten Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Whycation auf Bali: Tourismus, der die Natur heilt
Weiter geht’s nach Bali. Hier pflanzt Leon Boey Korallen. In Singapur aufgewachsen, leitet der leidenschaftliche Taucher heute die Livingseas Foundation an der Ostküste von Bali. „Die Regierung in Singapur hat sich für meine Anliegen nicht interessiert, also bin ich hierher gekommen“, erklärt er.


In der Padangbai Bay möchte er gemeinsam mit Reisenden die zerstörten Korallenriffe „aufforsten“. Wie das geht, zeigen uns Leon und sein Team. Wir binden Korallenstücke auf sternförmige Eisenkonstruktionen. Denn die kleinen Lebewesen brauchen Halt. Dabei ist es wichtig, dass die dunkle Seite nach oben zeigt. So können die Korallen Photosynthese betreiben. Und das, obwohl sie keine Pflanzen, sondern Tiere sind. Die Photosynthese können sie durch eine Symbiose mit Algen betreiben. Aber das führt jetzt zu weit … Sind die „Reef Stars“ bestückt, verankern Taucher der Livingseas Foundation die Eisenkonstruktionen schließlich auf dem Meeresgrund. Die Livingseas Foundation hat es geschafft, bis heute über 7.000 Quadratmeter Korallenriff anzupflanzen.
Gemeinsame Anstrengung
Korallen gebe es seit 360 Millionen Jahren, erzählt Leon – viel länger als Bäume. Und obwohl sie nur ein Prozent des Meeresbodens bedecken, seien sie der Lebensraum für ein Viertel aller Meeresbewohner. Und auch jeder zweite Atemzug, den wir Menschen nehmen, sei den Ozeanen zu verdanken. Denn Korallen produzieren jede Menge Sauerstoff.


Nachhaltiger Tourismus funktioniert nur gemeinsam. Daher war es Leon wichtig, auch unter der lokalen Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig die Unterwasserwelt ist. Waren es doch vorrangig die Fischer aus dem Ort, die die Riffe jahrzehntelang mit ihren Booten und Netzen zerstörten. Weil sie es nicht besser wussten. „Früher haben die Locals die Korallen sogar geerntet, um sie als Baumaterial zu verwenden“, erzählt Putu. Ein weiterer Grund, warum ein Bewusstsein für die Natur so wichtig sei. Die junge Balinesin wurde einst selbst von der TUI Care Foundation ausgebildet; heute arbeitet sie als Köchin auf einem Kreuzfahrtschiff.
Wissen macht den Unterschied
„Wir haben sogar die Polizei zum Schnorcheln mitgenommen. Und jungen Männern aus dem Ort Schwimmen und Tauchen beigebracht, damit sie mit eigenen Augen sehen können, was sich unter Wasser abspielt.“ Das hat Wirkung gezeigt. Nun setzt sich die örtliche Polizei sogar selbst dafür ein, dass keine großen Schiffe mehr in der Bucht ankern.


Wir wollen wissen: Was sind die nächsten Schritte? In der Bucht von Padangbai 50.000 Quadratmeter Korallen nachwachsen zu lassen, sagt Leon. Und das Projekt auf Thailand auszuweiten. Denn auch dort gebe es viel zu tun.
Kein Trend, sondern Notwendigkeit
Viel zu tun gibt es auf der ganzen Welt. Und daher finanziert die TUI Care Foundation 80 Projekte in 30 verschiedenen Ländern der Welt – rein aus Spenden. Wer mit TUI verreist, kann bei der Buchung spenden. „95 Prozent der Spenden gehen direkt in die Projekte. Die restlichen fünf Prozent decken die administrativen Kosten“, erklärt Manuel Ferreira, Head of Programme Management and External Communications.


Whycation ist keine Modeerscheinung. Es ist ein Perspektivwechsel. Unsere Reisen nach Ägypten, Kambodscha und Bali haben gezeigt: Wer den Sinn hinter dem Reisen erkennt, reist anders. Bewusster. Intensiver. Nachhaltiger. Und Whycation bedeutet, nicht nur zu fragen „Warum reise ich?“, sondern auch: „Was hinterlasse ich?“